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Rosenpark Reinhausen
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Auf der Suche nach der weißen Rose



Über den Aufbau einer Alba-Rosen-Sammlung
 Fundrose Reinhausen

Als ich begann alte Rosen aus meiner Region zu sammeln, fanden sich vor allem zwei Rosenklassen ein: Centifolien und Alba-Rosen.

Was sind nun Alba-Rosen? Die Klasse der Alba-Rosen dürfte eine der ältesten Rosenklassen sein. Ihre Abstammung liegt noch im Dunkeln, in der Rosenliteratur wird teilweise vermutet, es handele sich hier um Nachkommen der einfachblühenden weißen Rose der klassischen Schriftsteller, der Römer und Griechen. Auch im Mittelalter wurden wahrscheinlich Alba-Rosen in großem Umfang, und zwar zu medizinischen Zwecken, angebaut.
Alba-Rosen sind große Sträucher, manche können sich je nach Standort auch zum Klettern entschließen. Sie sind einmalblühend, wundervoll duftend, haben zarte Blütenfarben und graugrünes, bläulich bereiftes Laub, unterseits meist behaart. Sie sind robust und pflegeleicht, können auch Halbschatten ertragen und eignen sich für Hecken. Sie sind extrem winterhart. Leider gibt es bei den wenigsten Rosenschulen mehr als 5-10 Alba-Rosen im Sortiment.

Bei den Alba-Rosen, so dachte ich also, dürfte es nicht schwer werden, sie zu bestimmen: es gibt ja nur eine oder zwei Alba-Rosen, die in Frage kommen könnten. Wie gesagt, so dachte ich jedenfalls.
Ich machte mich daran, die Alba-Rosen, die als Vergleichs- oder Bestimmungsrosen für meine Fundrosen in Frage kamen und die es im Handel gibt, zusammenzukaufen. Dazu habe ich mich erst einmal in Büchern und im Internet umgesehen, ich wollte ja wissen, welche Rosen meinen Fundrosen nahe kamen, damit ich nicht so viele Albas kaufen müsste. Und außerdem nimmt ja jede Rose etwas von dem begrenzten Platz ein, den man für eine Rosensammlung zur Verfügung hat. Ein leidiges Thema, aber eines, das einen aus den Rosenblütenträumen immer sehr schnell wieder auf die Erde zurückholt.
 unbekannte Alba-Fehllieferung

 Maidens Blush in Sangerhausen

Fand ich nun ein Bild, das einem meiner Findlinge ähnlich sah, so arbeitete ich mich mit diesem Rosennamen, beispielsweise „Maidens Blush“, weiter voran. Aber welch eine Bandbreite an Rosen erschloß sich aus diesen Bildern! Von weißlich, rosa angehaucht bis zu grell pink, von halbgefüllt bis prall gefüllt, mit Knopfauge, ohne Knopfauge, mit gedrehtem Blütenkranz in der Mitte, mit vielen voll funktionsfähigen Staubgefäßen, mit runden Knospen, mit spitzen Knospen, mit wie abgeschnitten wirkenden Knospen, die wahlweise weiß oder pink sein konnten – es war alles vorhanden!
Die Internetseite Help Me Find Roses, in diesem Zusammenhang sicherlich, wie ich hoffte, ein Rettungsanker, zeigte über 20 Synonyme für Maidens Blush an, so etwa Incarnata, Cuisse de Nymphe, Regalis, Carnea, Bella Donna usw., aber auch die sonst doch als einwandfrei zu unterscheidende Small Maidens Blush findet sich dort unter den Synonymen. In Sangerhausen aber stehen zum Beispiel eindeutig verschiedene Rosen unter den Namen Incarnata, Cuisse de Nymphe (emué) und Small- sowie Great Maidens Blush. Welche also ist nun die tatsächliche, die „echte“ Maidens Blush?
Auch die Suche nach den weißen Alba-Rosen war nicht viel weniger entmutigend: es besteht ein Kontinuum zwischen den weißen Albas von ungefüllt bis prall gefüllt, und eine Vielzahl angeblich verschiedener Rosen, die sich mehr oder weniger klar mit einer bestimmten Anzahl Blütenblättern oder vielleicht auch nur nach Laune der Beschreiber oder Züchter, irgendwo dazwischen befinden (meist leicht gefüllt = Semiplena, halbgefüllt = Suaveolens, stark gefüllt = Maxima). Wobei aber beispielsweise Semiplena oft als nur minimal gefüllte Alba gilt, an anderer Stelle aber als fast vollständig gefüllt beschrieben wird bzw. in Bildern dokumentiert wird. Dann erscheint Semiplena auch wieder als Synonym an anderer Stelle, nämlich für die halbgefüllte Suaveolens. Aber auch Suaveolens und Maxima, welche auch manchmal Nivea genannt wird, werden ab und an als synonym angesehen. Maxima wiederum wird manchmal als Alba-Rose mit Engelsblut (blush-farbener Hauch beim Aufblühen) bezeichnet, ein anderes Mal soll sie eine leicht gelbliche Mitte aufweisen.

 Fundrose aus Emmenhausen

 Fundrose aus Esebeck



Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Widersprüchlichkeiten, die sich mir sehr schnell in den Weg stellten. Ich nehme an, auch dieser kleine Ausschnitt ist schon so verwirrend für den Leser, dass er nachvollziehen kann, dass ich die Nase voll hatte und mich daran machte, nach Lösungen für dieses Durcheinander zu suchen! Ich verfiel also in Aktionismus!

Zunächst verfiel ich auf die Idee, es über das Wissen der Älteren zu versuchen. Ich sichtete die mir zur Verfügung stehende ältere Literatur, ich bettelte weltweit um weitere Quellen, ich begab mich auf die Suche nach einem Experten, der sich wirklich mit dieser Rosenklasse auskennt. Und vor allem: ich suchte eine vollständige Sammlung der Alba-Rosen. Nun ergab sich schnell folgendes:

1. Ich konnte niemanden ausfindig machen, den die Rosisten als Alba-Experten ansehen würden, noch jemanden, der sich selbst so sah oder sich von mir überzeugen ließ, einer zu werden.
2. Es gibt keine vollständige Sammlung von Alba-Rosen
3. Ich begann eine Excel-Liste zusammenzustellen, in der ich eintrug, aus welcher Quelle welche Alba-Rose bekannt war und/oder beschrieben wurde.
Ich sichtete beispielsweise Wesselhöft, das Keller-Verzeichnis, den Jäger, das Sangerhausen-Verzeichnis, den Nietner sowie einige ältere englische Quellen, auch Quest-Ritson und andere bezog ich ein. Diese Liste ist immer noch unvollständig, dafür aber wunderbar umfangreich, bunt und sehr verwirrend und, wie sollte es auch anders sein, sehr widersprüchlich!
Allerdings zeigte sich dort etwas, das mich erstaunte: es sind weit über 200 Alba-Rosen bisher, die namentlich oder auch mit ausführlicher Beschreibung in dieser Liste zu finden sind, jedenfalls weit, weit mehr als die etwa 25 Alba-Rosen, die momentan als weltweit noch existent gelten und/oder im Handel sind.
Wo ist wohl die „Esmeralda“ geblieben, eine Alba-Rose, die Nietner beschreibt: zartfleischfarben mit weißem Rand, mit mittelgroßer, voll gefüllter Blüte, die Verdier noch 1847 züchtete? Oder was aus der Etoile de la Malmaison, eine Rose, die er als fleischfarben, dann weiß, mit großer, voller schalenförmiger Blüte beschreibt, die einen kräftigen Wuchs mit imponierender, dunkelgrüner Belaubung aufwies? Steht Gabrielle d´Estrées noch in einem Garten in Koblenz oder Berlin und die glänzend fleischfarbene Madame Audot, die Verdier zwei Jahre früher als die Esmeralda einführte, wird sie von einer der deutschen Rosenschulen vielleicht als Maidens Blush verkauft?
 Fundrose Ballenhäuser Schleichweg

Wie konnte es denn zu dieser Situation kommen?
Das Schicksal des Unmodernwerdens von Rosen betraf zuallererst die Albas; sie rückten bei der Entdeckung der Mehrfachblüher in die Nähe der „Wilden Rosen“ und wurden zunehmend unattraktiv für „ambitionierte Gärtner“, Sammler und Liebhaber. Nur in den alten Gärten, den Bauerngärten etc. überlebten sie, da sie sehr robust und pflegeleicht sind. Ein Beispiel: Ein Herr Dupont vertrat die Ansicht, dass es zwischen 1790 und 1815 nur 10 Alba-Sorten gab; Descemet spricht in diesem Zeitraum von vieren; nach Sammelaktionen verfügte dagegen zum Beispiel Vibert gegen 1825 über etwa 70 Sorten; sie waren zu dieser Zeit mal wieder relativ modern und wurden züchterisch verwendet; aus dieser Zeit stammen einige sehr schöne Hybriden, die heute noch im Handel sind.
Die Anzahl der Sorten an Alba-Rosen und die Einschätzung ihrer Anzahl variiert stark; ich habe den Eindruck, in Zeiten, in denen Alba-Rosen unmodern sind, zieht man sich gern auf die Dutzend-Schätzung zurück. Nun traf ich auch in unserer Zeit sehr schnell „Fach“leute, die keck behaupteten, es habe niemals mehr als 12 oder 15 Alba-Rosen gegeben. Und überdies seien Alba-Rosen anfällig für Krankheiten und heute einfach nicht mehr gefragt. Ein bekannter großer deutscher Rosenzüchter sagte mir gar: man solle diese Rosen ganz aus dem Sortiment nehmen, die seien einfach nicht mehr zeitgemäß!

Das etwa war der Zeitpunkt, wo sich bei mir die Empörung mit der Rosensucht kurzschloß. Als ich dann noch erschrocken feststellte, dass ich mit den Alba-Fundrosen wahrscheinlich schon die doppelte Anzahl an Alba-Rosen im Rosengarten stehen hatte, die Sangerhausen aufzuweisen hat, fasste ich einen kühnen Entschluß:

Ich baue eine möglichst vollständige Alba-Sammlung auf, eine Alba-Vergleichspflanzung



 Amelia, Foto C. Frost

Ich habe mit diesem Entschluß meine Befürchtung (nämlich die Befürchtung, es könne noch etliche der früher so zahlreichen Alba-Sorten unter anderem Namen im Handel geben und noch mehr unerkannt und namenlos in den Gärten und die würden langsam sang- und klanglos verschwinden), gegen die viel angenehmere Sorge eingetauscht, ob ich auch Platz für alle Alba-Rosen der Welt habe und ob ich es wohl schaffen werde, viele verschiedene Alba-Rosen ausfindig zu machen.

Nur in einer solchen Vergleichspflanzung wird es möglich sein zu entscheiden, ob eine Alba-Rose sich von einer anderen unterscheiden lässt oder aber nicht. Dabei wird man niemals mehr anhand der dürftigen Beschreibungen in älterer Zeit eine sichere Zuordnung der Alba-Rosen zu ihren vormaligen Namen vornehmen können. Und außerdem wird es unerlässlich sein, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen, also entweder Rosen, die auf dieselbe Unterlage veredelt werden oder aber wurzelechte Rosen.

Momentan stehen hier 55 Alba-Rosen und Alba-Hybriden verschiedener Herkunft, etwa die Hälfte davon sind Fundrosen, nicht nur aus der Region Göttingen. Etliche andere sind mir bereits zugesagt worden, einige seltenere sind in Deutschland, Frankreich oder in den USA bestellt.

Ich möchte alle Roseninteressierten bitten, mir bei dem Projekt der Alba-Rosen-Suche zu helfen!



 Fundrose Alba Bischhagen

Ich bitte alle Rosenfreunde, bei der bevorstehenden Rosenblüte mit offenen Augen durch die Dörfer und Städte zu gehen und nach unbekannten Alba-Rosen zu schauen!
Ich würde mich sehr über Augen oder Ausläufer dieser Alba-Rosen für die Vergleichspflanzung im Alba-Garten freuen!
Auch an wurzelechten Ausläufern gekaufter Alba-Rosen bin ich sehr interessiert, denn wenn ich Alba-Rosen wurzelecht vergleichen will, muß ich erst einmal ein Exemplar finden, denn Alba-Rosen lassen sich nicht so leicht aus Stecklingen ziehen!

Ich tausche gern gegen andere Rosen!



Es muß doch wohl möglich sein, noch einige weitere Alba-Rosen wieder zu entdecken und wieder in den Gärten zu verbreiten! Wenn viele Augen gucken, wird es möglich werden!

Bitte melden Sie sichhier   wenn Sie eine Alba-Rose ausfindig gemacht haben oder mit mir tauschen möchten.

Karin Schade
 Fundrose Alba nivea Schleswig-Holstein

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